Ausführliche Biografie: H.P.B. – Leben und Werk der Helena Blavatsky, Begründerin der Modernen Theosophie

Blavatsky Biografie BuchcoverSilvia Cranston und Carey Williams legten mit Leben und Werk der Helena Blavatksy 1993 eine eindrucksvolle, sehr umfassende und außergewöhnlich detailliert recherchierte Biografie vor. Die deutsche Ausgabe erschien 1995, die zweite Auflage 2001.

Das Werk umfasst sieben Abschnitte, beginnend mit der adeligen Herkunft, und geht auch auf ihre posthume Wirkungsgeschichte ein. Dabei wird die Kritik an ihr keineswegs ausgespart, sondern ausführlich diskutiert.

Der Leser erfährt viel über ihre Arbeitsweise. Offensichtlich konnte sie feinstofflich Bilder empfangen, sogar Buchseiten von Büchern vor sich sehen, die nicht physisch im Raum waren. Somit wirkte sie häufig als Medium und hat sich das enorme Wissen, das in ihren Werken ausgebreitet wird, nicht durch persönliches Studium erarbeitet. Rudolf Steiner sagte 1909:

„Aber zum Verständnis der Werke Blavatskys gehört durchaus Urteilskraft, und was das Sonderbare ist, viel mehr Urteilskraft, viel mehr Logik, als Blavatsky selbst besessen hat. Das hat sie gewusst und daher gesagt: Diese Dinge stammen nicht von mir, sondern von hohen Individuen, die hinter der Bewegung stehen, die heute in die Kultur einfließen soll.

Nehmen wir an, sie hat die Wahrheit gesprochen. Nehmen wir an, dass es wirklich jene großen Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen gibt, die sie inspiriert haben. Nehmen wir das an, dann ist im Grunde alles ohne Wunder zu erklären. Denn dann stehen große, gewaltige Persönlichkeiten hinter ihr, und sie war das geeignete Werkzeug, um der Welt diese großen Geheimnisse mitzuteilen. Dann könnte höchstens jemand fragen: Ja, warum denn gerade Blavatsky? – Aber wer das sagt, versteht eben die Zeit nicht. Wenn ein anderer dazu getaugt hätte, um einen Kanal zu bilden für die Worte der Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen, so hätte man einen anderen genommen … (Es) war dazu Größe der Seele und ein hingebungsvolles Herz nötig, um das aufzunehmen, was einfließen sollte in die Menschheit. Das hatte sie. Setzt man das voraus, dann ist alles erklärlich.

Da (ihre Werke) Dinge enthalten, die zu dem Größten in der Menschheit gehören, die man auch bei den größten Gelehrten nicht finden kann, können sie nicht von ihr erfunden worden sein. Das wird die Welt mit jedem Tag mehr einsehen müssen.

(Seite 625 in der zweiten Auflage)

 

Beeindruckendes Lebenswerk

Blavatsky hat zeitlebens gegen die wissenschaftlich-materialistische Auffassung gekämpft und das Bewusstsein für Kräfte und Phänomene geschärft, für die im damaligen wissenschaftlichen Weltbild kein Platz war. Damit hat sie späteren esoterischen Bewegungen wie der Anthroposophie Rudolf Steiners und Rosenkreuzern (A.M.O.R.C., Max Heindels Rosicrucian Fellowship, Lectorium Rosicrucianum) den Weg bereitet (siehe Theosophie, Anthroposophie, Freimaurer, Sufis, Rosenkreuz).

Hierzulande weniger bekannt dürfte ihr Einfluss in Indien sein. Nicht nur hat sie sich dort mit östlicher Weisheit beschäftigt und diese den Gesellschaften des Westens näher gebracht. Umgekehrt hat die Theosophische Gesellschaft, geleitet von Blavatsky und Colonel Olcott, auch Hinduismus und Buddhismus in Indien, Sri Lanka [früher Ceylon], Burma und Japan gestärkt und zu ihrer Erneuerung wesentliche Impulse beigetragen:

„1968 gab die Post in Sri Lanka eine Sondermarke zum Gedenken an Olcotts Leistungen zur Förderung von Bildung und Buddhismus im Lande heraus. 1880, als HPB und Olcott Ceylon einen Besuch abstatteten, gab es dort nur zwei buddhistische Schulen; die übrigen waren Missionarsschulen oder andere kirchlich geleitete Einrichtungen, die den Buddhismus auf der Insel fast verdrängt hatten. 1900 gab es aufgrund von Olcotts Bemühungen bereits zweihundert buddhistische Schulen auf Ceylon.“

(S. 242)

Immer wieder ist von den Mahatmas die Rede. Ein Zitat aus einem Brief von „KH“ an Sinnett über Wissen und Geheimnisse:

„Wissen kann nur graduell vermittelt werden; und einige der höchsten Geheimnisse – falls sie tatsächlich an Ihr, wenn auch vorbereitetes, Ohr dringen werden – mögen Ihnen als völliger Unsinn erscheinen … In der okkulten Wissenschaft werden Geheimnisse nicht auf einmal vermittelt, nicht schriftlich, und schon gar nicht mündlich. Wenn das möglich wäre, müssten alle ‚Brüder‘ nur ein Handbuch herausbringen, um diese Wissenschaft in den Schulen wie Grammatik zu unterrichten. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, dass wir uns und unsere Fähigkeiten willkürlich in eine Geheimnis verhüllen – dass wir unser Wissen für uns behalten wollen und uns ‚mutwillig und absichtlich‘ weigern, es weiterzugeben. Die Wahrheit ist, dass, bis der Neophyt die notwendigen Voraussetzungen für den Grad der Erleuchtung erfüllt, zu der er befähigt und ermächtigt ist, die meisten, wenn nicht alle Geheimnisse nicht mitteilbar sind. Die Aufnahmefähigkeit muss gleich groß sein wie der Wunsch zu lehren. Die Erleuchtung muss von innen kommen.“

(Seite 283)

Wirkungsgeschichte

Der siebte Abschnitt beschäftigt sich mit der Wirkungsgeschichte. Über 30 Seiten widmen sich der Entwicklung der Naturwissenschaften im Lichte der Geheimlehre. Sodann geht es um HPBs Einfluss auf Literatur, Kunst und Musik, wobei u. a. auf folgende Persönlichkeiten Bezug genommen wird: Yeats, Joyce, Kandinsky, Mondrian, Klee, Gauguin, Mahler und Sibelius.

Wertvoll wird das Werk nicht zuletzt durch die sorgfältige Dokumentation der Quellen und die ausführliche Bibliographie, die mehr als genug Stoff für weitere Vertiefung bieten.

Die Geheimlehre. Die Synthese von Wissenschaft, Religion und Philosophie (Adyar Studienausgabe)
Die Mahatma-Briefe

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