Ernst Peter Fischer: Die Hintertreppe zum Quantensprung

Hintertreppe zum Quantensprung

Die Quantenphysik ist ein Feld, auf dem sich moderne wissenschaftliche Erkenntnisse und jahrtausende alte Weisheiten begegnen. So gibt es einen Vortrag von Dr. Ulrich Warnke, in dem der Biologe und Biophysiker Parallelen zwischen dem Buddhismus und modernen quantenphysikalischen Erkenntnissen zieht.

Für physikalische Laien ist es nicht einfach, Quantenphysik zu verstehen. Ernst Peter Fischer hat mit Die Hintertreppe zum Quantensprung ein Buch vorgelegt, das leicht und kurzweilig zu lesen ist und einen guten Einstieg bietet, sich tiefergehend mit dem Thema zu befassen.

Was ist ein Quantensprung?

Gleich zu Beginn räumt er mit populärwissenschaftlichen Verwendungen des Begriffs Quantensprung gründlich auf:

„… wer Unternehmern, Managern, Politikern oder anderen Festrednern zuhört, kann darauf wetten, dass es nicht lange dauert, bis in den jeweiligen Reden angekündigt oder gar versprochen wird, dass demnächst Quantensprünge in der Entwicklung eintreten würden.

[…] Quantensprünge erfreuen sich also großer Beliebtheit, und niemand bemerkt, dass bei dieser fröhlichen Beschwörung einer wissenschaftlichen Idee und ihrer Einbettung in den sozialen Alltag das tatsächlich damit Gemeinte in doppelter Hinsicht auf den Kopf gestellt und also ziemlich unsinnig wird.“

Fischer erläutert erstens:

  • Ein Quantensprung ist die allerkleinste Veränderung, die einem Atom oder Molekül passieren kann.
  • Ein Atom landet nach einem Quantensprung in seinem Grundzustand und möchte darin „so lange wie möglich untätig verweilen“.

Fischer empfiehlt außenstehenden Laien deshalb:

„Wenn sie demnächst hören, dass Wirtschaftsbosse oder führende Politikerinnen, die etwas von Physik verstehen, Quantensprünge für ein Unternehmen oder die allgemeine Lage ankündigen, und wenn sie das Gesagte ernst nehmen, dann sollten sofort alle relevanten Aktien auf den Markt geworfen bzw. eine andere Partei gewählt werden.“

Der zweite Grund: Die Wissenschaftler, die quantenphysikalische Phänomene entdeckten, reagierten oft geschockt, denn sie erschütterte das bisherige Weltbild.

Quantenphysiker: Pioniere, Revolutionäre und Erben

Fischer nähert sich der Quantenphysik durch Portraits ihrer wichtigsten Vertreter. Dazu hat er in schöner Regelmäßigkeit drei Kapitel verfasst und mit je acht Wissenschaftlern gefüllt.

Albert Einstein

Albert Einstein

Als Pioniere nennt er: Max Planck, Arnold Sommerfeld, Ernest Rutherford, Lise Meitner, Albert Einstein, James Franck, Max Born und Niels Bohr.

Revolutionäre sind nach Fischer: Erwin Schrödinger (berühmt für das Gleichnis von Schrödingers Katze), Louis de Broglie, Wolfgang Pauli, Werner Heisenberg, Enrico Fermi, Paul A. M. Dirac, George Gamow und Lew D. Landau.

Als Erben führt er auf: John Bardeen, John A. Wheeler, Carl Friedrich von Weizsäcker, David Bohm, Richard P. Feynman, John S. Bell, Murray Gell-Mann und Anton Zeilinger.

Ist es ein spirituelles Buch? Nicht vorrangig und nicht in erster Linie – doch es enthält auch aus spiritueller Sicht interessante Aspekte.

Quantenphysik: In-form-atin und die Einheit von Innen und Außen

In dem Kapitel über Wolfgang Pauli finden sich mehrere Hinweise auf den Psychiater und Psychologen Carl Gustav Jung, der sich mit Spiritualität und Alchemie beschäftigte. Pauli sprach von „typischen Anordnungen“, die auf Jungs „Archetypen“ verweisen. Sie erlauben es, Beziehungen zwischen der Seele und der Materie herzustellen. Erkenntnis gelingt, wenn menschliche Wahrnehmung äußere Formen in innere Bilder verwandelt – In-form-ation.

Pauli zur Einheit von Innen und Außen – Zitat Fischer:

„Pauli beharrte auf der skizzierten <Wesensidentität von Innen und Außen>, wie sie im Übrigen auch bei Goethe zu finden ist. Dem ist sie offenbar selbstverständlich, denn Goethe meint:

<Nichts ist drinnen, nichts ist draußen, denn was innen, das ist außen.> (Epirrhema)

Pauli stuft die Übereinstimmung der inneren und äußeren Sphäre <als die bleibende Wahrheit hinter jeder Ontologie> ein, die das <Ziel aller Wissenschaft bleiben> muss. […]“

Solche Gedanken ernst zu nehmen bedeutet, sie auf das eigene Leben anzuwenden. Wie kann man da behaupten, Opfer ungünstiger äußerer Umstände zu sein?

Die Hintertreppe zum Quantensprung: Die Erforschung der kleinsten Teilchen der Natur von Max Planck bis Anton Zeilinger

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Ein Gedanke zu „Ernst Peter Fischer: Die Hintertreppe zum Quantensprung

  1. Danke für den tollen Tipp! Ich liebe das Thema, und ja, es gibt uns Selbstermächtigung zurück! Dein letzter Satz hat alles gesagt, das ist doch großartig, oder? (-;

Freue mich über Kommentare!