Der Name der Finsternis (Franz Binder)

Mit Der Name der Finsternis legte Franz Binder 1997 eine Fortsetzung des Sonnensterns vor. Während Der Sonnenstern von Ereignissen in Atlantis berichtet, ist Der Name der Finsternis im 20. Jahrhundert angesiedelt, beginnend in den 1960er Jahren.

Spiritualität als Mittel zur Macht

Der Name der FinsternisEinige der handelnden Personen aus dem Sonnenstern sind erneut inkarniert. Es geht um eine spirituelle Gruppe, die rasch wächst, sich weltweit ausbreitet und viele Menschen in ihren Bann zieht. Schon früh im Roman wird mittels eines Tagebuchs offen gelegt, mit welchen Mitteln der Erfolg zustande kam: Viel Verklärung, wenig Wahrheit, und Führungspersönlichkeiten, die nicht gerade leuchtende Vorbilder auf dem spirituellen Pfad darstellen. Es geht um Macht und später auch um Magie.

Wie im Sonnenstern ist auch hier schon sehr früh zu spüren, dass die äußerlich erfolgreichen Machenschaften demaskiert und nicht verherrlicht werden. Binder verfügt über das seltene Talent, tiefe spirituelle Einsichten in eine extrem spannende Geschichte zu flechten.

Wahre Spiritualität ist nicht spektakulär

Ein spiritueller Lehrer, der anfangs eine Nebenrolle in dem Roman spielt, stellt deutlich klar, dass es nicht um spektakuläre Erfahrungen geht (in der 1. Auflage im Drei Eichen Verlag auf S. 116):

„… lege Deine Aufmerksamkeit nicht auf spektakuläre Erfahrungen, sondern meditiere bescheiden. Du bist erst am Anfang des geistigen Weges und bist entzückt von Phänomenen, die Dir auf diesem Weg begegnen. Phänomenale Erlebnisse sind niemals ein Gradmesser wirklicher spiritueller Entfaltung, sondern eine sehr untergeordnete Stufe auf dem Weg zu Gott. Sehr oft sind sie nichts weiter als schillernde Täuschungen der Illusion, die nur die Absicht haben, Dein Ego aufzublähen und Dich in die Irre zu führen. Es sind keine echten spirituellen Erfahrungen.“

In der Beschreibung, wie ein anfangs scheinbar nicht ernst zu nehmender Versuch eine mächtige Eigendynamik entwickelt, erinnert der Roman an Die Welle (The Wave) von Morton Rhue, in dem an einer High School eine faschistische Gruppe aufgebaut wird, um die Mechanismen zu demaskieren, die dabei wirken.

Der Kampf des Lichtes gegen die Dunkelheit

Ähnlich wie im Sonnenstern beeindruckt auch hier die Klarheit, mit der der Kampf des Lichtes gegen die Finsternis charakterisiert wird. Es wird deutlich zwischen zwei Ebenen unterschieden. In der Welt der Gegensätze stehen sich Gut und Böse gegenüber, bekämpfen sich, bedingen einander, gleichen sich immer wieder aus – niemals wird eine Seite ganz über die andere triumphieren. Das Allein-Gute, das wahre Spiritualität speist, steht außerhalb dieses Wechselspiels. Es kämpft nicht gegen das Böse. Ohne zu viel verraten zu wollen: Im Roman gibt es Situationen, in denen mit magischen Kräften versucht wird, Gedanken zu beeinflussen. Der beste Schutz davor ist innere Stille. In diesem Zustand ist das Bewusstsein ein neutraler Beobachter, der nicht kämpft, der nur wahrnimmt, was geschieht. So bietet er keinen Anknüpfungspunkt für die Kräfte, die ihn beeinflussen wollen, keinen Widerhaken – die dunkle Magie kann ihn nicht greifen.

Das erinnert an die herrliche Szene in Revolver, als Jake dem Casino-Boss Macha gegenübersteht. Macha versucht, ihm Angst zu machen – Jake reagiert gar nicht, er beobachtet nur. Macha verzweifelt daran. Als Jake schließlich an ihm vorbei geht, nimmt er ihn nicht einmal mehr wahr.

Zum Thema Dualität und Neutralität siehe auch den Beitrag „Gott und die Götter“: Armin Risi über gutes und schlechtes Karma und das Verlassen der Dualität.

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