Leonhard Cohen: Heimkehren ohne Last und ohne Vision

In einem seiner aktuellsten Lieder Going home (veröffentlicht 2012) singt Leonhard Cohen über den Heimweg:


Es gibt unterschiedliche Reaktionen und Interpretationen dazu. Die taz spöttelt: Und was ist das erst für ein Kerl, der sich tolldreist zum Sprachrohr Gottes macht? Als solches wird „Leonard“ auch im Song gepriesen und belächelt:

„He will speak these words of wisdom
Like a sage, a man of vision
Though he knows he’s really nothing
But the brief elaboration of a tube.“

Man kann auch eine demütige Haltung aus dem Liedtext ablesen: da ist ein Künstler, der nach langem Schaffen viele Fans hat, hohes Ansehen genießt und der noch Weiteres schreiben will (Dank für die Übersetzung: boelters.de – URL leider nicht mehr erreichbar):

„Ein Liebeslied wollte er schreiben
Ein Loblied auf das Vergeben
Ein Handbuch, wie man mit Niederlagen lebt
Eine Wehklage über das Leid
Eine Wiederentdeckung des Opferns
Doch das wollte ich gar nicht von ihm“

All diese Werke sind gar nicht nötig:

„Ich wollte ihm versichern
Dass er keine Last trägt
Dass er keine Vision braucht
Dass ihm nur gestattet ist
Meinem dringenden Gebot zu folgen
Nämlich das, was ich ihm sagte
Zu wiederholen“

Vielleicht genügt es, im Hier und Jetzt präsent zu sein … und davon zu zeugen, dass es höhere Ebenen gibt als das Persönlich-Eigene. Dann ist selbst ein Künstler wie Cohen eher ein Werkzeug als ein Weiser.

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