Grenzenlose Liebe: Bob Dylans Love Minus Zero

Neben Love in Vain hat Bob Dylan viele weitere Liebeslieder geschrieben – manche klingen vielleicht bitter, manche eher weise. Zur letzteren Kategorie zähle ich Love Minus Zero / No Limit. Dieser Song abstrahiert gänzlich von den Irrungen und Wirrungen zwischenmenschlicher Liebe und verweist auf eine höhere Ebene, in der die Liebe grenzenlos ist, alles einschließend und nichts ausschließend (No Limit).

Hier eine Aufnahme des jungen Dylan 1965 in einem Hotelzimmer in London, mit Donovan, dem wohl Dylans außergewöhnliches Talent bewusst wird (1:44).

Der Text erinnert mich an den spirituellen Lehrer Krishnamurti (der partout kein Guru sein wollte) und der seine Zuhörer und Leser dazu animierte, alle Bindungen loszulassen, um frei zu werden. Die Liebe braucht weder Ideale noch Gewalt, sie ist treu, ohne davon sprechen zu müssen, sie ist unbestechlich, sie braucht keine Valentinstags-Geschenke.

My love she speaks like silence
Without ideals or violence
She doesn’t have to say she’s faithful
Yet she’s true, like ice, like fire
People carry roses
And make promises by the hours
My love she laughs like the flowers
Valentines can’t buy her.

Diese Art von Weisheit, von innerer Freiheit, die in der grenzenlosen Liebe aufgeht, braucht keine Bücher, keine Zitate, keine Verstandestätigkeit und keine Spekulationen.

In the dime stores and bus stations
People talk of situations
Read books, repeat quotations
Draw conclusions on the wall
Some speak of the future
My love she speaks softly
She knows there’s no success like failure
And that failure’s no succes at all.

Das irdische Wechselspiel der Gegensätze, hier angedeutet mit Erfolg und Misserfolg, ist ein sich endlos drehendes Rad. Was auch immer Menschen erschaffen, es ist vergänglich:

Statues made of match sticks
Crumble into one another

Die Liebe bekümmert das nicht. Sie braucht keine Argumente, und sie urteilt nicht. Das erinnert an den ersten Korintherbrief.

Am Ende sitzt sie jedoch mit einem gebrochenen Flügel am Fenster. Ein Hinweis, dass der Sprecher sie in seiner Welt verwirklichen will, wo sie nicht zu Hause ist?

Hier noch die Version von Joan Baez, die mal mit Bob Dylan liiert war:

Unter den zahlreichen Coverversionen sind auch Übersetzungen. Für diejenigen, die sich auf den österreichischen „Schmäh“ einlassen mögen, hier die Version von Wolfgang Ambros und seiner Band Die No. 1 vom Wienerwald:

Bei Ambros klingt der Song so, als wäre er im Original in dieser Sprache geschrieben. Das gilt auch für weitere Lieder auf dem Dylan-Cover-Album Wie im Schlaf.Ambros wagte sich sogar an das monumentale Like a Rolling Stone (Allan wie a Stan).

Noch eine akustische Version:

 

Bob Dylan All the Songs: The Story Behind Every Track
Chronicles Volume one
Lyrics:1962-2001 (English Edition)

Recent Related Posts

Freue mich über Kommentare!