Gerhard Wehr: Jakob Böhme

Jakob Böhmes Werke gelten nicht zu Unrecht als anspruchsvolle Lektüre. Gerhard Wehr (1931-2015) hat mit seiner Monographie den Einstieg in Böhmes Gedankenwelt erleichtert.

Gerhard Wehr: Jakob BöhmeDarin nimmt er eine zeitgeschichtliche Einordnung vor („Generalreformation im Zeichen der Lilie“) und zeichnet Böhmes Lebensweg nach. Spezielle Kapitel sind vier Kernbereichen der Böhmeschen Schriften gewidmet:

  • Theosophie
  • Kosmosophie
  • Anthroposophie
  • Christosophie

Mehrmals stellt Wehr Verbindungen zwischen Böhme und Paracelsus (1493/94 – 1541) her, dessen Erbe das geistige Klima jener Zeit in Görlitz beeinflusste.

Neu war mir Wehrs Interpretation des Begriffs Protest (am Ende des Kapitels „Böhmes Protestantischer Protest, in meiner Ausgabe S. 118):

So ist Böhmes Protest aufs Ganze gesehen ein Pro-test, das heißt ein Zeugnisablegen für den Geist, dem er seine Stimme und seine Feder geliehen hat.

Diese Deutung fokussiert auf angenehme Weise auf das Positive, das Für-etwas-Einstehen, im Gegensatz zum Bloßen Dagegen-Sein.

Jakob Böhme und der Rosenkreuz-Impuls

Mehrfach stellt Gerhard Wehr Verbindungen zwischen Böhme und den Rosenkreuzern her. Zu Böhmes Lebzeiten (1575 bis 1624) erschienen die drei Rosenkreuzer-Schriften Fama Fraternitatis (Der Ruf der Rosenkreuzer-Bruderschaft, 1614), Confessio Fraternitatis (Das Bekenntnis der Rosenkreuzer-Bruderschaft, 1615) und die Chymische Hochzeit: Christiani Rosencreutz. Anno 1459 (1616). Auf Böhmes Grabkreuz stand der alte Rosenkreuzer-Spruch:

Aus Gott geboren
In Jesus [JHSVH] gestorben
Mit dem Heiligen Geist versiegelt.

 

Wirkungsgeschichte

Eine besondere Stärke der Monographie liegt in der Beschreibung der Nachwirkungen Böhmes. Gerhard Wehr nennt eine Fülle bekannter Namen, darunter Philosophen, Theologen, Dichter und Naturforscher, u. a. Gottfried Wilhelm Leibniz, René Descartes, Arthur Schopenhauer, Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, Friedrich Hegel. Goethe fehlt in der Darstellung ebenso wenig wie Angelus Silesius („Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren.“) und Novalis (Georg Philipp Friedrich von Hardenberg).

Auch auf die Wirkung Böhmes in England geht Gerhard Wehr ein und nennt u. a. William Blake und Sir Issac Newton.

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