Die Hütte: Ein Wochenende mit Gott

Etwas skeptisch war ich schon, als ich von der Idee hörte: Da verbringt jemand ein Wochenende mit Gott in einer Hütte. Ist es nicht etwas platt, Gott so zu vermenschlichen?

Die Hütte – The Shack

Doch der Film hat mich positiv überrascht. The Shack erschien zuerst als Roman des kanadischen Autors William P. Young (2007, deutsch 2009) und wurde 2016 verfilmt, Filmstart war im Frühjahr 2017.

Mackenzie, genannt Mack, ist liebevoller Vater einer fünfköpfigen Familie (Buch: 5 Kinder; Film: 3 Kinder). Nachdem er ein Kind auf tragische Weise verliert, verfällt er in die „Große Traurigkeit“, die ihn lähmt und die Familie zu zerstören droht.

Die Einladung in die Hütte

Eines Tages, Mack ist im tiefsten Winter allein zu Hause, erreicht ihn ein dubioser Brief, der ihn in die Hütte einlädt, die der Auslöser seines Schmerzes ist. Dubios ist der Brief, weil keine Fußspuren im Schnee vor seinem Briefkasten zu sehen sind und weil der Brief mit „Papa“ unterzeichnet ist, wie Macks Frau Nan Gott zu nennen pflegt. Nach einigem Zögern entschließt Mack sich, der Einladung zu folgen. Was hat er noch zu verlieren?

Wie Gott dargestellt wird

Gott (Vater) erscheint, nicht gerade klischeehaft, als schwarze Frau. Die Dreieinigkeit wird komplettiert mit Jesus, einem hebräischen Handwerker, und Sarayu („Wind“), der Personifizierung des Heiligen Geistes. Mack ist wütend auf Gott, weil dieser den Verlust seines Kindes nicht verhindern konnte oder wollte. Nach und nach wird er geläutert, er wird sanfter, seine Wut wird transformiert, und er erfährt etwas von der umfassenden Liebe, die sich weit über persönliche Sympathien und Antipathien erhebt.

Bei einer besonders schwierigen Aufgabe tritt Gott als älterer (weißer) Mann auf, ohne Bart. So wird deutlich, dass die Erscheinungsformen nicht zu wörtlich zu nehmen sind.

Gott und der Humor

An dem Film hat mich die sanfte Erzählweise fasziniert, die ganz ohne erhobenen Zeigefinger auskommt. Ein Beispiel ist der Garten, in dem vor allem Sarayu arbeitet. In einer Szene bittet sie Mack um Mithilfe. Der ist zunächst etwas irritiert, denn die Anlage sieht bei weitem nicht so ordentlich aus, wie er sie erwartet hätte. Er beschreibt sie sehr höflich, doch Sarayu kennt seine Gedanken. Die Kamera zeigt den Ort aus immer größerer Höhe, und tatsächlich erkennt man erst in der Vogelperspektive die große künstlerische Harmonie des Gartens. Ein schönes Bild für das menschliche Leben: Wir sehen nur aus einer sehr eingeschränkte Perspektive und können dadurch den großen Zusammenhang, in den unser persönliches Leben eingebettet ist, nicht beurteilen.

Schön auch eine Szene, in der Gott entspannt auf der Terrasse sitzt. Nichts zu tun? wundert sich Mack. „Schätzchen, Du hast ja keine Ahnung, was ich gerade alles gleichzeitig erledige.“

Die Läuterung: Nicht urteilen

In einer Szene wird Mack gebeten, selbst auf den Richterstuhl zu klettern. Er soll nun so urteilen, wie er es von Gott fordert. Recht schnell erkennt er, wie absurd es ist, auf diese Weise für Gerechtigkeit zu sorgen.

Über das Wasser laufen

Gefallen hat mir auch die Szene, in der Jesus und Mack über das Wasser laufen: ein Bild, das zum Gegenstand vieler Witze und Veralberungen wurde. Hier klingt ein ernsthaftes spirituelles Bild an: Das Wasser steht für die Fülle an Emotionen, die den Menschen beherrschen. Als Mack sich der höheren Führung anvertraut und immer mehr fähig wird, die Vergangenheit ruhen und alte Wunden heilen zu lassen, versinkt er nicht mehr im See seiner persönlichen Gefühle.

Empfehlenswerter Film!

 

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3 Gedanken zu „Die Hütte: Ein Wochenende mit Gott

  1. Klingt sehr interessant, aber wenn du Beiträge über Filme schreibst, erwarte ich auch Angaben zum Regisseur/zur Regisseurin, zum Produktionsland und -jahr sowie zu den Schauspielern/den Schauspielerinnen, zumindest der Hauptrollen.

    • Hallo Ronald,

      danke für Deinen Kommentar! Ja, das kann ich gut nachvollziehen.

      Mein Impuls ist eher, den Fokus auf spirituelle Aspekte zu legen. Die genannten Angaben können, je nach früheren Erfahrungen mit bestimmten Regisseuren oder Schauspielern, die Erwartungen an den Film schon in eine bestimmte Richtung prägen. Auch Jahr und Land setzen einen Kontext. Deshalb war es mir nicht so wichtig …

      Ich denke da an eine sehr intensive Erfahrung beim Film „Morgenröte im Aufgang – Hommage á Jacob Böhme“. Da erzählten Regisseur und Darsteller, wie sie ganz bewusst auf jegliche zeitgeschichtlichen Bezüge verzichteten. So ist die Chance gegeben, dass der Film nicht in ein paar Jahren als veraltet gilt, wenn z. B. bestimmte Autotypen auf den Straßen erkannt werden oder die Darsteller einem bestimmten Modetrend folgen (so wie man heute z. B. „typische 70er Jahre Filme“ erkennen kann). Die Frage aus dem Publikum lautete: Warum habt Ihr den Film nicht mitten in Berlin gedreht?

      Außerdem sind die Infos heute nur einen Mausklick entfernt …

      Hauptrolle: Sam Worthington als Mack (bekannt u. a. aus „Avatar“)
      Gott: Octavia Spencer

      Weitere Rollen: Radha Mitchell (Macks Frau), Tim McGraw

      Regie: Stuart Hazeldine

Freue mich über Kommentare!