Und täglich grüßt das Murmeltier

Kürzlich sah ich den 25 Jahre alten Film zum zweiten Mal. Beim ersten Mal war es für mich eine zeitweise lustige Komödie.

Beim zweiten Mal wusste ich, dass Und täglich grüßt das Murmeltier (englischer Titel: Groundhog Day) eine tiefe spirituelle Ebene aufweist, und war sehr gespannt. Ich wurde nicht enttäuscht.

Der Kreislauf der Inkarnationen

Der Wetter-Moderator Phil Connors (Bill Murray) muss einen Tag, den er hasst, wieder und wieder durchleben: Ein Ritual in einer Kleinstadt in Pennsylvania, bei dem mit Hilfe eines Murmeltiers das Wetter vorhergesagt wird. Die Wetterregel besagt, dass es sechs Wochen winterlich bleibt, wenn das Tier einen Schatten wirft. Ist (wetterabhängig) kein Murmeltier-Schatten zu sehen, soll der Frühling nahe sein.

Phil kann wegen eines Schneesturms mit seinem Team (Aufnahmeleiterin Rita, gespielt von Andie MacDowell, sowie dem Kameramann Larry, gespielt von Chris Elliott) die Kleinstadt nicht verlassen und wird zu einer weiteren Übernachtung gezwungen. Und nun wacht er immer wieder am gleichen Tag auf – einem neuen Murmeltier-Tag, mit den gleichen Begegnungen und den gleichen Menschen. Man kann diese Zeitschleife als Symbol für den Kreislauf der Inkarnationen sehen, das Rad von Geburt und Tod, den Kreislauf der Wiedergeburten (im Sanskrit Samsara genannt).

Läuterung im Laufe der Inkarnationen

Phil wird anfangs als arrogant, egozentrisch, launisch und zynisch dargestellt. Als er begreift, dass er in einer Zeitschleife gefangen ist und dass nur er selbst sich an die vorhergehenden Tage erinnern kann, nicht aber seine Mitmenschen, beginnt er seinen Wissensvorteil zu nutzen: Er verführt Frauen, verschafft sich Geld und vergnügt sich. Doch diese Freuden werden schal, er kann sie nicht dauerhaft genießen, und so verändert sich seine Herangehensweise im Laufe der Zeit.

Selbstmorde

Als er der immer gleichen Kleinstadt-Bedingungen überdrüssig wird, versucht er sich der Zeitschleife durch Selbstmord zu entziehen. Man sieht diverse Versuche, wie ein furchtlos durchgezogenes Autorennen mit der Polizei, das er schließlich absichtlich in einem Abgrund beendet. Doch weder das, noch ein Sprung von einem Turm, noch Erfrieren oder Verbrennen lösen Phil aus dem Kreislauf der Murmeltier-Tage, sodass er diese Versuche schließlich aufgibt.

Aus esoterischer Sicht ist bekannt, dass Selbstmord nicht befreiend wirkt. Hellsichtige Menschen wie Rudolf Steiner haben beschrieben, dass Selbstmörder jenseits der stofflichen Seite der Welt weiter leiden. Viele Menschen wissen intuitiv, dass dieser Weg ihre Probleme nicht lösen kann.

Liebe: Von der körperlichen Begierde zur Seelen-Ebene

Vor der vergeblichen Selbstmord-Phase hatte Phil versucht, seine junge Aufnahme-Leiterin Rita zu verführen. Er lernte sie täglich besser kennen und erstaunte sie immer mehr mit seinem Wissen über ihre Vorlieben, wie etwa Lieblings-Getränk und Lieblings-Eissorte. Doch immer wieder holte er sich schmerzhafte Abfuhren in Form von Ohrfeigen.

Nun setzt die Läuterung immer stärker ein. Phil beginnt, seine Tage sinnvoller zu verbringen. Er bildet sich, lernt Klavier spielen und wird – auch dank seines Wissens über die immer gleichen Abläufe – immer mehr zum Wohltäter für andere.

Das Höhere Selbst (Aurisches Wesen)

In einer Szene im Café bezeichnet er sich Rita gegenüber als Gott: Er kennt alle Café-Besucher namentlich, kennt von einigen die Lebensgeschichte und weiß genau, wann der Kellner ein Tablett fallen lässt. Rita ist zwar beeindruckt, aber auch befremdet von seiner Anmaßung.

Im „wirklichen Leben“ wissen wir zwar in aller Regel nichts über frühere Inkarnationen. Die Essenz der Erfahrungen ist jedoch im menschlichen System gespeichert. Sie kann sich zum Beispiel als Respekt (oder Angst) vor gefährlichen Situationen äußern, aber auch als Gewissen. Das Höhere Selbst (auch Aurisches Wesen genannt) stirbt nicht, wenn der Mensch sein stoffliches Kleid ablegt. Manche Menschen sehen es als innereigenen Gott und streben eine bewusste Verbindung mit diesem Wesen an. Wem das gelingt, dem winkt große Macht – und noch stärkere Gefangenheit. Die Figur des Homunculus im Roten Löwen kann man als Bild für den verhängnisvollen Einfluss des unsterblichen Höheren Selbstes sehen. Im Film Truman Show entschließt sich Truman, die Kuppel zu verlassen, und befreit sich damit vom Einfluss des Regisseurs. Auch in dem Film Revolver gibt es eine Referenz zum Höheren Selbst: Der Casino-Boss Macha verliert die Kontrolle über Jake, als dieser ihn nicht (mehr) fürchtet. Die Ego-Stimme war zu diesem Zeitpunkt bereits verstummt.

Phil lernt die Grenzen der vermeintlich göttlichen Macht seines Wissens kennen, als er vergeblich versucht, einen Obdachlosen vor dem Tod zu retten. Was er auch anstellt, der alte Mann stirbt. Es gibt keinen Trick und kein Rezept gegen Altersschwäche.

Rita – ein Bild für die Seele

Rita, Aufnahme-Leiterin und Schlüssel zur Befreiung aus der Zeitschleife

Das Folgende ist nur ein Interpretationsvorschlag. Rita wird im Film ausschließlich positiv dargestellt – man sieht keine typisch menschlichen Schwächen oder Charakterfehler. Für mich ist sie ein Symbol für die Seele. Das passt in das Bild, mit dem sich viele Weisheitsschriften und andere Zeugnisse spiritueller Befreiung entschlüsseln lassen: Die äußeren Personen entsprechen Aspekten im Menschen selbst. Phil kann die (reine) Seele nicht für sich gewinnen, als er es aus egoistischen Motiven versucht – die Seele lässt sich nicht „besitzen“ oder für niedere Zwecke einspannen. Doch sie wird zum Leiter auf dem Lebensweg, sobald der Mensch sich entschließt, ihren Impulsen zu folgen. Phil lernt Empathie, er erkennt die Nöte anderer und hilft, wo er kann. So reift er zu einem Menschen, der sich der Seele ganz hingibt, sodass eine bleibende Verbindung entsteht – ein ganz anderer Zustand als die gelegentlich aufblitzende Seelen-Intuition, die wesentlich öfter zu beobachten ist. Eindrucksvoll wird gezeigt, wie Phil Ritas Gesicht kunstvoll in einer Eisskulptur modelliert. Die wachsende Seele offenbart sich durch Kraftlinien – der Mensch auf dem Weg der Befreiung ergründet diese Kraftlinien so tief, dass sie sich ihm unvergesslich einprägen. „Ich kenne Dein Gesicht so gut – ich hätte es mit geschlossenen Augen fertigen können.“ antwortet Phil auf Ritas Frage, wie er das Kunstwerk vollbringen konnte.

An diesem Punkt hat Phil seine Lektionen so verinnerlicht, dass er gemeinsam mit Rita die Zeitschleife verlassen darf.

Vereinfachungen in Und täglich grüßt das Murmeltier

Der exakt identische Ablauf der Tage – mit Ausnahme von Phils Handlungen – vereinfacht das Geschehen erheblich gegenüber den langen Zeiträumen und wechselnden Bedingungen, unter denen Inkarnationen stattfinden. Eine weitere Vereinfachung besteht darin, dass Phil sich genau an seine bisherigen Erfahrungen erinnern kann (ähnlich wie die Hauptfigur im Roten Löwen). Im „wirklichen Leben“ wissen Menschen in aller Regel sehr wenig von früheren Erdenleben. Auch wenn das Lernen der Gesetze des Lebens dadurch etwas langsamer abläuft, ist es doch ein Segen. Es dürfte schwer erträglich sein, die Fülle der gescheiterten früheren Lebensversuche im Alltag lebendig vor Augen zu haben.

Auch die Wirkungen des Karmas bekommt Phil nicht so zu spüren, wie es üblicherweise geschieht – er beginnt jeden Tag mit den gleichen Voraussetzungen. Die Menschen, die er zuvor schlecht behandelte, stehen ihm jeden Tag wieder so gegenüber wie immer.

Jedoch wird an dem nervigen Versicherungsvertreter Ned Ryerson aus Phils Schulzeit deutlich, wie der Andere als Spiegel dienen kann. Die tägliche Begegnung ist unvermeidlich, doch Phil reagiert immer wieder anders. Die angemessenste Reaktion war offenbar, Ned zu spiegeln, wie er die Privatsphäre seines Gegenübers mit übergroßer Nähe verletzt. Als Phil ihn fest umarmt und behauptet: „Du weißt gar nicht, wie sehr ich Dich vermisst habe“, zieht Ned sich irritiert zurück.

Fazit: Empfehlenswerter Film mit Tiefgang hinter der Fassade einer leichten Komödie.

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