Spirituelle Selbsterkenntnis: „Werbistich“ – Shaban und Käptn Peng

Mit Werbistich weist Käptn Peng uns Zuhörer deutlich auf unseren Mangel an Selbsterkenntnis hin und deutet den Weg zum wahren Leben an. Der Song erschien 2012 auf dem Album Die Zähmung der Hydra von Shaban & Käptn Peng und befindet sich ebenfalls auf dem 2016er-Album Live in Berlin von Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi.

Selbsterkenntnis: Leer werden, altes Wissen über Bord werfen

Schon der Titel „Werbistich“ lässt eine gewisse Distanz zum Ich, zum Ego vermuten.

Der Text beginnt locker-flockig: „Fassen wir uns gegenseitig an unsere eigenen Nasen“ – was unsinnig klingt, ist durchaus ernst zu nehmen. Die Selbsterkenntnis kann uns niemand abnehmen, kein Lehrer, kein Weisheitsbuch und keine Schule – und doch können wir uns gegenseitig dazu ermutigen.


Rätsel eins: Wer bist du? Hast du es schon erkannt?
Wer die Lösung kennt hebt jetzt seine Hand

„Hier, hier, ich, ich!“

Falsch, mein Freund!
Scheinbar hast du das beste Fach versäumt
Nämlich: Selbstkunde oder Ichologie!

Es ist ein uraltes, unausweichliches Thema der Spiritualität. „Mensch, erkenne Dich selbst“ stand auf dem Apollotempel zu Delphi. Musikalisch wurde die Aufforderung unter anderem bearbeitet von Estas Tonne („Who am I“), Carlos Santana („Spirit“) und Peter, Sue & Marc („Birds of Paradise“).

Wer stellt hier die Fragen?

Käptn Peng könnte sich hier als den fortgeschrittenen spirituellen Menschen inszenieren und tiefgründige Fragen stellen, um die Zuhörer zu tieferer Erkenntnis anzuspornen. Doch er nimmt sich selbst zurück:

Denn es ist 1-2, Ding-Dong, superduper Fragenfred

Wer?

Sein Name lautet Existenz

Das erinnert an ein Zitat des österreichischen Neurologen und Psychiaters Viktor Frankl (1905 – 1997):

Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt. Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben Befragte, der dem Leben zu antworten – das Leben zu verantworten hat.

Das Wasser des Lebens sprengt die Grenzen des Verstandes

Käptn Peng beschreibt, wie wir uns vom Alltag abhalten lassen, den Sinnfragen auf den Grund zu gehen: Beruf und Freizeit, Familie und Unterhaltung halten uns beschäftigt … Doch ein Riß kann sich zeigen in der vermeintliche Sicherheit des Gewohnten, wenn wir von der Kraft des ursprünglichen Lebens berührt werden. Dazu ist es nötig, leer zu werden (vgl. den Beitrag mit einem Song von Gisbert zu Knyphausen), sodass Platz entsteht:

Und dann macht er euch fit und entleert euch das Glas
Und dann pumpt er das voll mit Quellwasserspaß
Ja so rein und so klar und so fresh und so fein
Die crème de la crème von Frequenz schenkt er ein

Das ist unbequem und bei weitem nicht immer willkommen. Der Weg führt an die Grenzen des Verstandes (siehe auch: Fremdlingschaft in der Welt: Funny van Dannens „Freunde der Realität“ und Blavatskys „Stimme der Stille“), der sich so gern an die sogenannte Realität hält, von der er nur einen kleinen Bruchteil erfassen kann.

Wer sich auf Kräfte einlässt, die über den eigenen Verstand, eigene Vorstellungen und eigene Wünsche hinausweisen, kann zum Bewusstsein der Einheit allen Lebens durchbrechen:


Es ist dasselbe Leben, durch das Planeten schweben
Es ist dasselbe Leben, in den Onkels wie den Tanten
Es ist dasselbe Leben, in ’nem Strassenhydranten
Es schwingt dasselbe Leben, im Wasser wie im Brot

Und es ist dasselbe Leben, im Leben wie im Tod

Diese Zeilen erinnern an Hermann Hesses Siddharta, der erst am Ende eines langen spirituellen Erfahrungsweges lernt, sich wirklich mit seinen Mitmenschen verbunden zu fühlen und nicht nur „anders“. Hörenswert auch Ralph McTells musikalische Hommage The Ferryman.

Die Lösung wird am Ende von Käptn Pengs Werbistich nicht verraten – sie kann nicht mitgeteilt werden, wir sind wieder auf uns selbst zurückgeworfen.

Zu Käptn Peng siehe auch den Beitrag zu Oha.

Zur Übersichtsseite: Spirituelle Impulse in der Rock- und Popmusik (inkl. Hip-Hop)

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