Grateful Dead: Ripple

1970 veröffentlichten Grateful Dead den Song Ripple, der als Single auf der B-Seite von Truckin‘ sowie auf dem Album American Beauty erschien. Der Text stammt von Robert Hunter, die Musik von Jerry Garcia.

Hier eine Aufnahme von 1980 in New York:

Sehr direkt wird eine un-irdische Ebene angesprochen („Wenn meine Melodien auf einer unbespannten Harfe gespielt würden“):

If my words did glow with the gold of sunshine
And my tunes were played on the harp unstrung
Would you hear my voice come through the music
Would you hold it near as it were your own?

In Anlehnung an Goethes „Alles Irdische ist nur ein Gleichnis“ sieht der Sprecher in der Musik aus physischen Instrumenten ein Bild für die Musik einer höheren Ebene, die man „Sphärenmusik“ nennen könnte. Sie berührt direkt, ohne den Umweg über die Ohren. Diese Ebene ist mit den Gedanken nicht zu umfassen …

It’s a hand-me-down, the thoughts are broken
Perhaps they’re better left unsung
I don’t know, don’t really care
Let there be songs to fill the air

Der Refrain beschreibt Wellen im stillen Wasser, ohne erkennbaren äußeren Einfluss (Steine, Wind) – ein Bild für die innewohnende Energie des lebendigen Wassers?

Ripple in still water
When there is no pebble tossed
Nor wind to blow

Nach eigener Aussage hielt Songschreiber Hunter dieses Lied und vor allem die folgenden Zeilen (mit) für seine besten:

Reach out your hand if your cup be empty
If your cup is full may it be again
Let it be known there is a fountain
That was not made by the hands of men

Der Brunnen des lebenden Wassers nährt die Menschen, die nach diesem Wasser verlangen. Ähnliche Bilder finden sich z. B. bei Jesus met the Women (Peter, Paul and Mary) sowie bei Shaban & Käptn Peng / Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi: Werbistich (das Glas wird gefüllt mit „Quellwasserspaß“, mit der „crème de la crème von Frequenz“). Einige fühlen sich bei dem Grateful Dead-Text an Psalm 23 erinnert.

Dein Weg ist nur für Dich bestimmt

Grateful Dead 1980 in San Francisco
Grateful Dead 1980 in San Francisco. Von links nach rechts: Jerry Garcia, Bill Kreutzmann, Bob Weir, Mickey Hart, Phil Lesh. Nicht auf dem Foto: Brent Mydland
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Chris Stone.

Die folgenden Zeilen unterstreichen die Eigenverantwortung auf dem Weg: Das Quellwasser ist zwar umsonst, es wird geschenkt – aber nur dem, der wirklich danach verlangt. Niemand kann sich darauf verlassen, dass es jemand anderer für ihn tut. Jeder Weg ist individuell. Man mag an Franz Kafkas „Vor dem Gesetz“ denken: In der Erzählung ist der Eingang des Wartenden nur für ihn bestimmt, doch er erfährt das erst ganz zuletzt …

There is a road, no simple highway
Between the dawn and the dark of night
And if you go no one may follow
That path is for your steps alone

Welcher Weg führt zum Lebenden Wasser?

Der Sprecher behauptet nicht, den Weg zu kennen, es gibt kein einfaches Rezept.

You who choose to lead must follow
But if you fall you fall alone
If you should stand then who’s to guide you?
If I knew the way I would take you home

Für mich spricht aus diesen Zeilen eine tiefe Erfahrung der Demut, den Weg nicht in Selbstsicherheit finden zu können. Um die zarte Stimme der Seele zu vernehmen und sich ihr anvertrauen zu können, ist ein sehr subtiler Zustand der Offenheit erforderlich. Dazu gehört die klare Erkenntnis, dass das eigene Wesen, das Gelernte, das Denken, das persönliche Gefühl, … den Weg nicht finden. Das gelingt nur in Vertrauen und gestärkt von der Sphäre des Lebenden Wassers.

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