Muhammad Ali: Boxer, Großmaul, spiritueller Mensch?

Muhammad Ali 1967

Muhammad Ali 1967; World Journal Tribune photo by Ira Rosenberg; Wikimedia Commons

Vor wenigen Tagen, am 3. Juni 2016, verstarb Muhammad Ali im Alter von 74 Jahren. Er gewann drei Mal den Weltmeistertitel im Schwergewicht. Als junger Boxer zog er die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit durch kesse Sprüche auf sich, indem er zum Beispiel in Reimform vorhersagte, in welcher Runde sein Gegner k.o. gehen würde. Nach seinem ersten WM-Gewinn (durch verletzungsbedingte Aufgabe seines Gegners Sonny Liston) schrie er durch den Ring: „I am the greatest!“ (Ich bin der Größe!) Ein noch deutlicheres Zitat: „I’m not the greatest; I’m the double greatest. Not only do I knock ‚em out, I pick the round.“

Diese Beschreibung lässt nicht gerade einen besonders spirituell orientierten Menschen vermuten. Wie kam dann der Liedermachen Greg Trooper auf die Idee, einen Song zu schreiben, in dem ihm Muhammad Ali die Bedeutung von Weihnachten erklärt?

1967 verlor Ali seinen Weltmeistertitel, weil er während des Vietnamkriegs den Militärdienst verweigerte; bis 1970 blieb ihm das Boxen versagt:

„Nein, ich werde nicht 10.000 Meilen von zu Hause entfernt helfen, eine andere arme Nation zu ermorden und niederzubrennen, nur um die Vorherrschaft weißer Sklavenherren über die dunkleren Völker der Welt sichern zu helfen.“

Quelle: isreview.org

Bereits bei seinen letzten Kämpfen war Ali von seiner Parkinson-Erkrankung beeinträchtigt. Er sah die Krankheit als Hilfe an:

„Vielleicht ist Parkinson die Art, wie Gott mich daran erinnert, was wirklich wichtig ist. Es hat mich gebremst und dazu gebracht, mehr zuzuhören und weniger zu reden. Jetzt, da ich nicht mehr so viel spreche, hören mir die Menschen aufmerksamer zu.“

Quelle: biographyonline.net

Alis Präsenz in der Öffentlichkeit trotz deutlicher Beeinträchtigung durch die Krankheit inspirierte Viele mit der gleichen Diagnose, ihre Situation anzunehmen und nicht ob des Leidens zu resignieren. Auf die Frage, warum er weltweit so geliebt werde, hob er einmal seine zitternde Hand, spreizte die Finger und sagte:

„Darum. Jetzt bin ich menschlicher. Es ist der Gott im Menschen, der mich mit ihnen verbindet.“

Quelle: time.com

Ali war nach seiner Boxkarriere stark humanitär engagiert. So nahm er an Verhandlungen zur Freilassung von Geiseln im Libanon teil; 1990 trug er mit einem Besuch bei Saddam Hussein zur Freilassung von 14 amerikanischen Geiseln bei; er reiste nach Mandelas Freilassung nach Südafrika, unterstützte Schulen in Afghanistan und kranke Kinder weltweit. Das nicht-kommerzielle Muhammad Ali Center in Louisville, Kentucky widmet sich seit 2005 neben Erinnerungsstücken an seine Boxkämpfe auch den Themen Frieden, soziale Verantwortung, Respekt und persönliche Entwicklung. Im selben Jahr 2005 erhielt Ali als erster US-Amerikaner die Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) für „herausragende Verdienste um Frieden und Völkerverständigung“.

Noch zwei spirituelle Zitate:

„Anderen zu dienen ist die Miete, die wir für unseren Platz auf Erden bezahlen.“

 

„Flüsse, Teiche, Seen und Ströme – sie tragen unterschiedliche Namen, aber sie alle enthalten Wasser. So ist es mit den Religionen – sie alle enthalten Wahrheiten.“

Quelle: biographyonline.net

Will Smith spielte die Hauptrolle im biographischen Film Ali und war einer der Sargträger bei seiner Beerdigung.

Hier noch eine andere Version des Greg Trooper-Songs. Zu gern hätte ich mehr darüber erfahren, wie Ali Weihnachten deutet.

 

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