Bô Yin Râ über den Fall des Menschen

Über den Fall des Menschen aus der Einheit im göttlichen Lebensfeld habe ich schon oft gelesen und gehört. Die Bibel berichtet darüber und sehr viele andere Weisheitsschriften. Jakob Böhme beschreibt ihn mehrfach in seinem Werk. Beim Anfang 2026 verstorbenen Konrad Dietzfelbinger finden wir sogar eine Aufschlüsselung des Sündenfalls in zwei Phasen: ein Herabsinken in die Schöpfung des Jahwe, das Paradies, sowie die Trennung von Jahwe in Eigenwilligkeit, anstatt von dort den Weg zurück in die geistige Urheimat zu beschreiten. Siehe den früheren Beitrag Der zweifache Sündenfall des Menschen (Konrad Dietzfelbinger).

Bei Bô Yin Râ fand ich kürzlich einen Aspekt dazu, der mir bisher nicht so deutlich bewusst war. In Band 2 seines Lehrwerks, dem Buch vom lebendigen Gott, schreibt er im Kapitel „Karma“ zunächst vom Urzustand vor dem Fall:

Bô Yin Râ (Joseph Anton Schneiderfranken) 1920
Bô Yin Râ (Joseph Anton Schneiderfranken) 1920.
Urheber: Konrad Immanuel Böhringer †1940; Quelle: Wikimedia Commons

Vor undenklichen Zeiten warst du einst mit deinem Gott vereinigt, als ein rein geistiger „Mensch“ in geistiger Gestaltung, einverwoben dem All-Leben wesenhaften, substantiellen „Geistes“. Auch alle die weiten Reiche des unsichtbaren Teiles der physischen Welt, — ein unermeßliches Gebiet des Universums, — waren dazumal deinem wirkenden Willen erschlossen, und du warst ihr Beherrscher

Ein Feld des Wirkens war dir offen, das vom reinsten Geistigen hinaus in immer dichtere Gestaltung reichte.

Bô Yin Râ über den Fall aus dem göttlichen Urzustand

Doch wie kam es dazu, dass der Mensch diesen Urzustand verließ? Warum verband er sich so eng mit der materiellen Welt?

So bist du bis an die Grenze gelangt, wo unsichtbares Physisches sich zu erdensinnlich sichtbarem Materiellen verdichtet. Du hast die schreckenerregenden Mächte des ewigen Chaos am Wirken gesehen, — die Rückprallkräfte des absoluten, starren und lavadichten „Nichts“, — und bist ihrem Groll gegen alles „Seiende “ erlegen …

Niemals hättest du ihnen aber erliegen müssen, wärest du nicht vorher, im Taumel deiner Macht, von deinem Gotte — abgefallen. — —
So warst du hilflos geworden und hattest deine höchste Macht verloren. Nun mußtest du zur Beute der niederen Kräfte werden, die, — stets in den Bereich der Rückprallwirkungen des absoluten „Nichts“ gebannt, — in steter „Feindschaft“ alles zu vernichten, alles dem „Nichts“ gemäß zu wandeln suchen, was aus den Sphären ewig reinen Seins zu ihnen eindringt: — in ihre dunkle Wirkungs-Zone „fällt“.
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Bô Yin Râ beschreibt Angst vor geistigen Kräften

In diesem Zustand nun kam Angst auf vor den Kräften, die der Mensch einst beherrschte und deren Spielball er nun geworden war:

Auch die Kräfte, die du ehedem bemeistern konntest, und mit denen du gar leicht die dir nun „feindlichen“ Gewalten so bezwungen hättest, daß sie sich zu ehrerbietigen Dienern deines Willens umgewandelt hätten, waren dir zu groß, zu vielvermögend geworden …

So überkam dich Furcht vor deinen eigenen, einst beherrschten Kräften, und aus der Furcht vor ihnen kam dir das Verlangen nach einem neuen, anderen Leben, in den Reichen materieller Greifbarkeit , den Reichen dieses, physischen Sinnen faßbaren Universums, das jene ängstigenden Mächte dem, der nicht die hier gezogene Schranke bricht, verhüllt .
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Dein Wille war aus dem hohen Leuchten gefallen, und wollte nun mit dir in die Welt der physischen Materie
Du warst in der „Welt der Ursachen“ heimisch, — doch deine Furcht trieb dich in die Welt der Wirkungen“ hinaus.
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Das ist die Wahrheit in den Sagen von einem „Paradiese“, und vom „Sturze“ des Menschen durch einen „Sündenfall“!
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So zeigt sich die Angst als wesentliche Triebfeder des menschlichen Zustands. Sie kann in tiefem Vertrauen und Hingabe an die geistige Heimat überwunden werden.

2026 markiert den 150. Geburtstag von Bô Yin Râ, bürgerlich Joseph Anton Schneiderfranken. Informationen zu Veranstaltungen und weiterführende Hinweise  hier:

Die Werke Bô Yin Râs sind hier zugänglich: Bô-Yin-Râ-Stiftung

Eine weitere, sehr ergreifende Schilderung des Falls sehe ich in Bob Dylans monumentalem Song Tempest: Bob Dylan, Titanic und der Mensch: Tempest.

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