„Die Geheimlehre“ von HP Blavatsky

Blavatsky GeheimlehreBlavatkys Geheimlehre von 1888 ist im Original rund 1.300 Seiten stark. 1975 gaben Elizabeth Preston und Christmas Humphreys eine auf knapp über 300 Seiten gekürzte Fassung in einem Band heraus, die mir in zweiter Auflage von 1984 vorliegt. Im Gegensatz zu früher erschienenen kürzeren Fassungen enthält diese Version ausschließlich Originaltext. Zudem sind weggelassene Kapitel im Inhaltsverzeichnis aufgeführt und es wird angegeben, ob Kapitel vollständig oder in Auszügen übernommen wurden.

Aufbau der Geheimlehre

Die Geheimlehre umfasst zwei Bände, die in folgende Teile gegliedert sind:

Erster Band: Kosmogenesis

  • Erster Teil: Kosmische Evolution
  • Zweiter Teil: Die Entwicklung der Symbolik
  • Dritter Teil: Eine Gegenüberstellung von Wissenschaft und Geheimlehre

Zweiter Band: Anthropogenesis

Der dritte Band wurde für die gekürzte Ausgabe nicht herangezogen, da er eine Sammlung ursprünglich von Blavatsky unveröffentlichter Manuskripte enthielt und nicht als Fortschreibung der Geheimlehre geplant war.

Mensch: Stoffkörper und Monade

Die Geheimlehre beschreibt den Menschen als Wesen, das aus zwei Welten zusammengesetzt ist. Da ist einerseits der sichtbare physische Körper, der in langen evolutionären Prozessen geformt wurde. Dabei deutet Blavatsky mehrfach an, wie lückenhaft das (damalige und wohl auch heutige) Bild ist, das die Wissenschaft von diesen Vorgängen zeichnet. Andererseits sind es Monaden, die in die biologische Form inkarnieren. Dazu schreibt Blavatsky im Abschnitt Proem – Blätter aus prähistorischer Zeit (vor Band I), Fußnote 9 (in meiner Ausgabe S. 22):

„Pilger“ ist der unserer Monade  (den zweien in einem) während ihres Inkarnations-Zyklus gegebener Name. Er ist das einzige, unsterbliche und ewige Prinzip in uns, da er ein untrennbarer Teil des Ganzes ist – des universellen Geistes, aus dem er ausstrahlt und in dem er am Ende des Zyklus wieder absorbiert wird.

 

Karma und Wiedergeburt

Einen zentralen Stellenwert nimmt in der Geheimlehre die Lehre vom Karma ein. So schreibt Blavatsky im zweiten Band im Abschnitt „Die Rassen mit dem dritten Auge“ (in meiner Ausgabe S. 285):

Nur das Wissen um die beständigen Wiedergeburten einer und derselben Individualität durch den ganzen Lebenszyklus … kann uns das geheimnisvolle Problem von Gut und Böse erklären und den Menschen mit der schrecklichen scheinbaren Ungerechtigkeit des Lebens aussöhnen.

Das Karma-Gesetz wurde oft missverstanden. Blavatsky macht deutlich, dass es weder mit Atheismus, noch mit Materialismus oder Fatalismus vereinbar ist.

Karma hat niemals intellektuelle und individuelle Freiheit zu zerstören gesucht. …
Karma ist eins mit dem Unerkennbaren, von dem es ein Aspekt in seinen Wirkungen in der Erscheinungswelt ist.

 

Die Geheimlehre: Schwer zu lesen?

Lohnt es sich heutzutage noch, die Geheimlehre zu lesen? Zumindest hat das Werk unter anderem Albert Einstein inspiriert, der es auch seinem Kollegen Werner Heisenberg empfahl.

Alice Bailey, Theosophin und Autorin von Werken wie Eine Abhandlung über die sieben Strahlen, schreibt in ihrer unvollendeten Autobiografie (zitiert nach anthrowiki.at):

In mancher Beziehung ist H. P. B.’s Buch «Die Geheimlehre» heute überlebt; diese Art, der Ewigen Weisheit näherzukommen, findet bei der modernen Generation wenig oder keinen Anklang. Aber denjenigen unter uns, die es wirklich durchstudierten und seine innere Bedeutung einigermassen verstehen lernten, gab es ein grundsätzliches Wertgefühl für die Wahrheit, wie es kein anderes Buch zu vermitteln scheint. […] Keines meiner Bücher wäre möglich gewesen, wenn ich nicht vorher der «Geheimlehre» ein so gründliches Studium gewidmet hätte.

Blavatsky selbst warnte davor, die Geheimlehre Seite für Seite durchzulesen wie ein anderes Buch. Sie sei nicht dazu bestimmt, eine endgültige Erklärung des Daseins zu geben, sondern nur, zur Wahrheit hinzuführen. Eine „Erklärung“ der Geheimlehre sei nicht möglich – die Wahrheit liege jenseits jeglicher Vorstellungen (vgl. Ianthe Hoskins, Grundlehren der esoterischen Philosophie; zitiert nach anthrowiki.at).

 

Ähnliche Werke

Mit seiner umfassenden Darstellung der Entwicklung des Menschen, weit über die biologische Evolution hinaus, erinnert Blavatskys Werk an Die Weltanschauung der Rosenkreuzer von Max Heindel sowie an Werke von Jakob Böhme, insbesondere Aurora oder Morgenröte im Aufgang. Wer Blavatsky lesen möchte, ohne gleich zu einem so dicken Werk zu greifen, dem sei Die Stimme der Stille empfohlen.

 

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