Katharer und Rosenkreuzer: „Der Triumph der Universellen Gnosis“

2006 erschien das Buch Der Triumph der Universellen Gnosis, das ausführlich von der engen Verbindung zwischen dem Erbe der Katharer und dem modernen Rosenkreuz zeugt. Als Autor ist Antonin Gadal angegeben (1877-1962), von dem die meisten Texte im Buch stammen. Herausgegeben wurde es von Joost Ritman, dem Gründer der Bibliotheca Philosophica Hermetica, die in Dresden an der Jacob-Böhme-Ausstellung im Residenzschloss beteiligt war.

Das Erbe der Katharer – das geistige Feuer

Berg und Katharerburg Montségur
Der Berg Montségur mit der Ruine der gleichnamigen Katharerburg
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: User Gerbil

Am 16.3.1244 wurden 205 Katharer am Montségur auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Eine alte Prophezeiung besagte: „Aber nach 700 Jahren wird der Lorbeer wieder blühen.“ (enthalten in einem Gedicht von H. Teulié, 1893). Antonin Gadal erfüllte die Prophezeiung, indem er am 16. März 1944, nach genau 700 Jahren, mit sechs Mitstreitern den Montségur bestieg, um an das geistige Feuer der Kirche der Liebe anzuknüpfen.

Neue Impulse ab 1944

Tatsächlich wurde bereits im ereignisreichen folgenden Jahr 1945 die Bibliothek zu Nag Hammadi in Ägypten entdeckt, die Zeugnisse der frühen hermetischen und christlichen Gnosis freigab. Ein weiteres Jahr später, 1946, besuchten die Gründer der Geistesschule des Goldenen Rosenkreuzes, Catharose de Petri und Jan van Rijckenborgh, den Rosengarten von Albi. Seit dieser Reise suchten sie nach einer intensiveren Verbindung zum katharischen Erbe. Diese entstand ab 1954 durch den persönlichen Kontakt zu Antonin Gadal.

Das Buch Der Triumph der Universellen Gnosis zeugt von dieser Verbindung durch Originaltexte aus den 1950er Jahren. Unter anderem enthält es Ansprachen von Antonin Gadal an Rosenkreuzer-Gruppen in Frankreich und den Niederlanden. Die Rosenkreuzer sieht er als zeitgemäße Nachfolger der Katharer. Auch Ansprachen von
Catharose de Petri und Jan van Rijckenborgh sind in Teil 1, „Die Bruderschaft der Liebe“, enthalten.

Texte von Antonin Gadal

Im zweiten Teil des Buches „Antonin Gadal – Patriarch des Lichtes“ sind weitere Texte Gadals abgedruckt, die die Geschichte und den Einweihungsweg der Katharer beschreiben sowie auf universelle Symbole und die tiefere Bedeutung von Zahlen eingehen.

Symbol versus Dogma

Der Triumph der Universellen Gnosis

Ein eindrucksvoller Abschnitt im Kapitel „Einweihung“ geht auf den Unterschied zwischen Symbol und Dogma ein:

Es liegt ein weltweiter Unterschied zwischen Symbol und Dogma. Das Dogma erfordert eine tyrannische, indoktrinäre, starre und bedingungslose intellektuelle Disziplin, eine Unterwerfung des Denkens. Bei den Einweihungen dagegen werden Symbole benutzt, um sich aus der Zwangsjacke der Worte und Formeln zu befreien und das unabhängige Denken zu fördern. Symbole sind unentbehrlich für den, der zu den Mysterien durchdringen will. Mysterien sind nämlich verhüllte Wahrheiten, die zu monströsen Irrtümern werden, sobald man versucht, sie anders auszudrücken als durch symbolische Allegorien.

Einweihungshöhlen der Katharer

Im Kapitel „Die Religion des tröstenden und reinigenden Geistes“ beschreibt Gadal drei Grotten, in denen die Transfiguration, die vollkommene Verwandlung des alten in den neuen Menschen, vollzogen wurde. Sie tragen ägyptische Bezeichnungen und bezeugen die Verbindung der Katharer zu den altägyptischen Mysterien:

Kheper ist das Grab, der Tod, der Untergang in Osiris, im grünen Osiris der Sarkophage, vor dem fünfzackigen Stern von Bethlehem. So wird die Raupe zur Puppe.

Mes-Naut – „stets höher“ – ist der Richterstuhl des Osiris, der Prüfstein für die unsterbliche Transfiguration. Die Puppe bereitet sich darauf vor, ein vollkommenes Insekt zu werden.

Ka ist die Entfaltung der neuen Aura in den himmlischen Regionen, wo der schwarze Osiris, der vollkommene Gott, der unsterbliche Mensch, ihn erwartet. Das ist der Weg der Überwindung von der Raupe zum vollkommenen Insekt!


Zur Verbindung zwischen Katharern und Rosenkreuzern vergleiche Katharer, Rosenkreuzer, Gral: „Vereint im Dreibund des Lichtes“. Wer sich weiter mit dem Einweihungsweg der Katharer in den Grotten bei Ussat beschäftigen möchte, dem sei Gadals Werk Auf dem Weg zum Heiligen Gral empfohlen. Auch empfehlenswert: Die Mysterien der Katharer von Reiner Klein.

Hier geht’s zur Übersicht über spirituelle Sachbücher.

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